Freitag, 19. Juni 2015

Warum Ortsumfahrungen sinnlos sind

Im Juni 2015 gab es einen sehr eindrucksvollen Vortrag von Hr. Knoflacher zum Thema Verkehrsplanung im Dachauer Stadtrat. Dabei wurde erläutert, welche negativen Auswirkungen der Autoverkehr auf die Strukturen einer Stadt hat, und welche Lösungsmöglichkeiten möglich sind.

Hier einige Videos und Interviews zum Thema, um einen Eindruck zu gewinnen, welche Inhalte der Vortrag hatte:

Süddeutsche Zeitung

Interview Die Zeit

Video Klimaherbst München 2013

Hermann Knoflacher - "Anstöße zum Umdenken in Zeiten des Klimawandels"

Das Autovirus - Rosa-Luxemburg-Stiftung

Sonntag, 17. Mai 2015

Bündnis Positionen zur Verkehrsplanung Dachau/Karlsfeld und Landkreis

Bündnis Positionen zur Verkehrsplanung Dachau/Karlsfeld und Landkreis

Vorbemerkung:
Im Laufe dieses Jahres wurde mit der Notwendigkeit eine Entscheidung zur weiteren Planung des NordOst-Umwegs um Dachau die die langjährige Diskussion über eine zukunftsfähige Verkehrsplanung in Dachau / Karlsfeld und dem Landkreis Dachau neu entfacht. Zusätzlich wurde kürzlich vom Planungsverband das Thema Stadt-Umlandbahn aus der Versenkung gehoben.
Dieses Dokument stellt eine Zusammenfassung der derzeitigen Situation und möglichen Lösungswegen dar. Ziel ist es die einseitige Debatte um Umgehungen und Autoverkehr um die wichtigeren Aspekte, wie dem Ausbau des ÖPNV und der Reduzierung des Autoverkehrs (Leitbild des Landkreis Dachau „Zwischen Dorf und Metropole“) zu erweitern.

Grundsätzlich sollte aber jedem klar sein:
·     Ein Bau des NordOst-Umwegs bringt nur für einen Bruchteil des Verkehrs eine Lösung. Der Großteil des Verkehrsaufkommens liegt im Binnen- (37%) und Quell-Ziel-Verkehr (51 %). Für 88 % des Verkehrsaufkommens wird damit keine Lösung angeboten. Dies gilt in abgeschwächter Form auch für die Gemeinde Hebertshausen.
·     JEDE Veränderung an einer Stelle, hat zwangsweise an anderer Stelle Auswirkungen. Schon bei der Entstehung des Verkehrs muss angesetzt werden.
·     Frei werdende Kapazität wird durch Verlagerung oder neu entstehenden Verkehr gefüllt (Induzierter Verkehr). Ein gutes Beispiel dazu ist die B471. Bereits 10 Jahre nach Eröffnung der Eschenrieder Spange gibt es hier wieder die altbekannten täglichen Staus.
·     Durch bestehende Besiedelung mit bestehender Straßeninfrastruktur sind die Möglichkeiten grundsätzlich eingeschränkt. Es ist einfach unsinnig breitere Straßen durch Siedlungen zu fordern.
·     Die Verhältnismäßigkeit stimmt nicht mehr. Für eine sehr überschaubare Entlastungswirkung werden Millionenbeträge verbaut und hektarweise Landschaft unwiederbringlich zerstört werden. Dies wird auch in allen Stellungnahmen des Regionalen Planungsverbands zum geplanten NordOst-Umweg deutlich.
In einer lösungsorientierten Diskussion müssen Denkverbote fallen. Wir müssen darüber nachdenken, den Autoverkehr auch stellenweise zugunsten von ÖPNV, Fahrrad und Fußverkehr zu reduzieren, um an anderer Stelle Raum zu schaffen, für die die wirklich auf den motorisierten Individualverkehr angewiesen sind. Am wichtigsten ist jedoch, die in den letzten Jahren erarbeiteten Leitbilder in Stadt und Landkreis Dachau wirklich mit Leben zu füllen und danach zu handeln.

Umgehungsstraßen sind das Problem, nicht die Lösung

Induzierter Verkehr durch Straßen

Der fundamentale Denkfehler in der Vorderung nach Umgehungs- oder "Entlastungsstraßen" ist die romantische Vorstellung eines immerzu flüssigen Verkehrs.

Als Faustregel hat sich in der Wissenschaft etabliert: Jedes Prozent an neuer Kapazität => gleicher prozentualer Anstieg in 10 Jahren.

Eine 1997 von der Agentur Kessel + Partner im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) erstellten Studie sagt: Bezogen auf den zugrundeliegenden räumlichen Umgriff, liegt der Anteil des induzierten Neuverkehrs bei 5 bis 8 %

Warum ist das so?
Das Fahrverhalten der Menschen ändert sich entspreched des Angebots.
  • Flüssigerer Verkehr => mehr Fahrten pro Kopf
  • Flüssigerer Verkehr => weniger ÖPNV und Radbenutzung



























Primär induzierter Verkehr.
Neuverkehr bei bestehender Siedlungsstruktur. Z.B. durch neue Einzelhandelsgebiete auf der grünen Wiese.


Sekundär induzierter Verkehr.
Durch neue Infrastruktur hervorgerufener Verkehr.


Ost-Umweg gefährdet unser Trinkwasser

Die Planungen der Ostumfahrung und vor allem der Südumfahrung Hebertshausen tangieren das geplante, zukünftige Wasserschutzgebiet der Stadt Dachau. 

Damit die Straßenplanung weitergehen konnte, wurde in vorauseilendem Gehorsam die Lage des Schutzgebiets leicht verändert. 
Fakt ist und bleibt - die Planungen der Straße tangieren nach wie vor die sog. Kernzone III. 

Was viele vergessen: Ein Haupverursacher für die Nitratbelastung des Wassers ist der Autoverkehr. Umso schlimmer ist es, dass mit der Umfahrung die Qualität unseres Trinkwassers aufs Spiel gesetzt wird.
  • 3 Kilometer Umfahrung => je KFZ 180 mg NOx (Grenzwert 60mg)
  • ca. 20.000 KFZ / Tag => 3,6 kg NOx / Tag
  • pro Jahr => ca. 1.300 kg NOx (1,3 Tonnen)
Der Stickstoff lagert sich ortsnah ab und wird durch Regen in den Boden gewaschen.


Sauberes Trinkwasser ist für uns alle essentiell und der Schutz des Grundwassers wird mehr und mehr eine Herkulesaufgabe. Das Grundwasser ist in vielen Regionen Bayerns mit zu viel Nitrat belastet.  
In einem Drittel Bayerns ist das Grundwasser in einem schlechten Zustand. Der Hauptgrund dafür ist die hohe Belastung des Grundwassers mit dem Schadstoff Nitrat. Das hat Umweltministerin Ulrike Scharf schon Ende letzten Jahres zugeben müssen. 

Anders beispielsweise in Niederbayern, wo Schweinehaltung industrielle Ausmaße annimmt. Laut einer Risiko-Analyse des Landesamts für Umwelt wird nach 2020 bereits fast 40% des Grundwassers über die Grenzwerte belastet sein. Dabei ist der geltende Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter Trinkwasser eh schon – dank Lobbyarbeit – eigentlich zu hoch.

Nun hat auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen Alarm geschlagen: "Die zu hohe Einträge von Stickstoffverbindungen sind eines der großen ungelösten Umweltprobleme unserer Zeit", heißt es in einem Sondergutachten. Verantwortlich dafür ist vor allem die Intensiv-Landwirtschaft und der Verkehr. Die Belastung durch Stickoxide die von den Autos ausgestoßen werden landen letztlich in der Umwelt und zu guter Letzt im Menschen.

Grundwasserschutz, Stickoxide, Landverbrauch, wieviel Argumente brauchen wir noch um den unnötigen Umgehungsstraßen-Wahn zu stoppen. Wir sollten froh sein, dass wir noch Nitrat unbelastetes Grundwasser haben und es nicht mutwillig auf's Spiel setzten.